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Der mobile Mensch Kurioser Carsharing Trend in Japan
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Kurioser Carsharing-Trend in Japan

von Simone Cordes, 18. Juli 2019

Nickerchen halten anstatt Auto fahren – gemietete Fahrzeuge werden vielfältig genutzt

In den vergangenen Jahren hat Carsharing in vielen Großstädten und Metropolen an Beliebtheit gewonnen. Denn wer nur gelegentlich ein Fahrzeug benötigt, für den ist das Konzept des Autoteilens eine günstige Alternative zum eigenen Pkw. Auch in Japan werden die Carsharing-Angebote zahlreich genutzt, doch nicht immer zum Fahren.

Oftmals bleiben Fahrzeuge stehen

Im Sommer 2018 stellte der Carsharing-Dienstleister ORIX Auto Corp fest, dass eine Vielzahl der gemieteten Autos sich gar nicht fortbewegt. Auch andere Anbieter machten diese Erfahrung. Das Magazin The Asahi Shimbun berichtete, dass nach einer Umfrage zufolge jeder achte Carsharing-Nutzer mit seinem gemieteten Fahrzeug nicht fährt. Doch was passiert mit den Autos, wenn sie schon nicht zum Fahren genutzt werden? Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, befragten die Anbieter ihre Kunden. Was dabei herauskam, ist außergewöhnlich.

Privater Rückzugsort für ein Nickerchen oder zum Arbeiten

Ein Großteil der Befragten gab an, ein Nickerchen in den Fahrzeugen gemacht zu haben. Viele Kunden brauchten auch einfach nur einen Rückzugsort, um sich auszuruhen. Die Fahrzeuge wurden aber auch des Öfteren als Arbeitsplatz genutzt – ein ruhiger Ort für Telefongespräche mit Geschäftskunden, Freunden oder der Familie. Ein weiterer Kunde gab an, einen Ort gesucht zu haben, an dem er sein verpacktes Gericht essen kann. Denn in Japan gilt es als unhöflich, auf der Straße oder im Gehen zu essen. Doch manchmal halten sich die Kunden auch gar nicht in den gemieteten Autos auf. Tatsächlich wird der Fahrzeugraum teilweise auch als Packstation oder als Schließfach genutzt.

Nutzungsverhalten der Kunden ist umstritten

An erster Stelle werden die Fahrzeuge gemietet, um von A nach B zu kommen. Doch die Zahl derer, die das Angebot für andere Zwecke nutzen, steigt langsam an. Für die Betreiber sind die Mieter zwar zahlende Kunden, dennoch verlieren sie mit jedem nicht gefahrenen Kilometer auch Geld, da die Kunden mehr bezahlen müssen, wenn sie mit den Fahrzeugen eine längere Strecke zurücklegen. Darüber hinaus lassen einige Carsharing-Nutzer den Motor im stehenden Fahrzeug durchgängig laufen, um im Sommer die Klimaanlage und im Winter die Heizung nutzen zu können. Aus diesem Grund sehen viele Anbieter, trotz des großen Interesses an ihren Fahrzeugen, dem ganzen Trend mit gemischten Gefühlen entgegen.

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